Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne

Feuerwehr und Rettungsdienst sollen in Notfällen jeden Ereignisort in der Stadt Zürich innert 10 Minuten ab Alarmierung der Rettungskräfte erreichen. So ist es in den Richtlinien des Interverbandes für Rettungswesen (IVR) und von der kantonalen Gebäudeversicherung (GVZ) vorgegeben. In den Aussenquartieren  im Norden, Osten und Westen der der Stadt kann Schutz und Rettung Zürich diese Vorgabe heute nicht im geforderten Mass erfüllen. Diese missliche Situation wird sich in den nächsten Jahren verschärfen, da sich in den betroffenen Aussen-Quartieren ein starkes Bevölkerungswachstum abzeichnet. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Schutz und Rettung Zürich hat darauf reagiert und eine Standortstrategie entwickelt. Diese sieht unter anderem vor, dass SRZ in acht Jahren zusätzliche zu den bestehenden Wachen Süd, Zentrum (Neumühlequai) und Flughafen mit drei neuen Wachen operiert – je eine im Norden, Westen und Osten. Diese Wachen sollen mit Einheiten der Berufsfeuerwehr und des Rettungsdienstes besetzt sein, so dass gelöscht, gerettet und behandelt werden kann. Mit dieser sinnvollen Standortstrategie, die man unter dem Begriff „Dezentralisierung der Wachen“ zusammenfassen kann, will SRZ langfristig die gleiche, gute Notfallversorgung in allen Stadtquartieren sicherstellen – zum Wohl der Bevölkerung.

Die grosse Wache Süd gibt es seit langem. Der Realisierung der Wache Nord an der Binzmühlestrasse 156 in Zürich-Oerlikon steht nicht mehr im Wege, nachdem das Volk am 26. September 2021 dem Objektkredit von 107 Mio. Fr. zugestimmt hat.  

Die Planung der neuen Wache West ist am Laufen. Auf dem Grundstück der ehemaligen Centravo AG (Teil des Schlachthof-Areals) im Quartier Aussersihl soll eine neue Wache für Feuerwehr und Sanität entstehen. Der entsprechende Projektierungskredit (Weisung 2021/323) wird im Gemeinderat demnächst behandelt.

Einzig die Wache Ost ist noch nicht in Planung. Nicht einmal der Standort steht fest. Im neuen kommunalen Richtplan „Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten“  ist lediglich ein grosser Perimeter vermerkt. Die betroffenen Gebiete im Osten der Stadt, die östlichen Teile der Quartiere Riesbach, Hirslanden und Witikon, sind heute von der Feuerwehr und vom Rettungsdienst nicht innerhalb der geforderten Zeitlimite – 10 Minuten nach Auslösen des Alarms – erreichbar.

Seit November 2014 hat sich dort die medizinische Notfallversorgung leicht gebessert, weil beim Spital Zollikerberg ein Rettungswagen inklusive Besatzung tagsüber stationiert ist. Dieser ist im Notfall in wenigen Minuten vor Ort – falls er nicht bereits unterwegs ist zu einem anderen Einsatzort. Solche zeitliche Kollisionen kommen ab und zu vor, weil dieser Rettungswagen nicht nur für Notfälle in der Stadt Zürich, sondern auch für solche in den Vertragsgemeinden Zollikon, Küsnacht usw. zuständig ist. Leider steht das Rettungsteam beim Spital Zollikerberg nur tagsüber zur Verfügung – von morgens 7 bis abends 18 Uhr.  

Bei Bränden und bei medizinischen Notfällen in der Nacht sind die östlichen Teile der Kreise 7 und 8 unterversorgt. Daher sollte man mit der Planung der Wache Ost vorwärts machen, insbesondere soll der Standort dieser Wache baldmöglichst festgelegt werden.