Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne

In der Stadt Zürich sollen bis 2030 Tagesschulen flächendeckend eingeführt werden. Das Zürcher Tagesschulmodell sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler altersabhängig zwei, drei oder vier Mittage in der Schule verbringen und eine warme Mahlzeit erhalten. In der jetzigen Pilotphase II nehmen insgesamt 30 Schulen am Tagesschulprojekt teil. Der Elternbeitrag pro gebundenen Mittag beträgt Fr. 6.-, wobei der Beitrag für Eltern mit geringem Einkommen und Vermögen reduziert werden kann. Das Volk hat dem Objektkredit für die Pilotphase II des Projekts Tagesschule im Juni 2018 mit klarer Mehrheit zugestimmt. Wir Grüne haben uns im Abstimmungskampf für die Annahme der Vorlage eingesetzt.

Die Ziele des Zürcher Projektes Tagesschule sind, die Chancengerechtigkeit in der Volksschule zu unterstützen, die Organisation von Unterricht und Betreuung im Lebensraum Schule zu optimieren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Damit nimmt die Stadt Zürich mit ihrer Schulentwicklung gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen auf:

Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von breiten Kreisen der Gesellschaft und der Wirtschaft gefordert. Damit beide Elternteile vermehrt eine Erwerbstätigkeit ausüben können, kämpfen vor allem Frauen seit einigen Jahrzehnten für eine bessere schulische und ausserschulische Betreuung ihrer Kinder. Es sind in den letzten Jahren zwar Fortschritte gemacht worden, doch es ist nach wie vor so, dass viele Frauen Teilzeit im niedrigen Prozentbereich arbeiten und Frauen auch in Führungsetagen untervertreten sind. Die Gründe dafür sind vielfältig; einer davon ist, dass viele Frauen keine Möglichkeit haben, ihr Kind tagsüber in geeigneten Strukturen gut betreuen zu lassen. Tagesschulen sind also ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung von Frau und Mann.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass in der Schweiz die schulischen Leistungen der Jugendlichen stark von ihrem sozioökonomischen Hintergrund abhängig sind. Kinder aus bildungsfernem Elternhaus oder mit Migrationshintergrund sind beim Bildungserwerb benachteiligt. Der Volksschule gelingt es heute nicht annähernd, Chancengerechtigkeit zu erreichen. Vom Tagesschulmodell erhofft man sich, dass alle Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und Können im Hinblick auf die Bildungsziele weiter ausbauen und dass benachteiligte Kinder ihren Bildungsrückstand aufholen können. Damit diese Hoffnung erfüllt wird, müssen an den Schulen gezielt entsprechende Strukturen geschaffen und Programme realisiert werden. Gute Beispiele dafür sind pädagogische Gefässe wie „betreute Aufgabenstunden“ und „Begabungsförderung“, die im Wochenstundenplan fest platziert sind. Diese und weitere begleitende Massnahmen zum Projekt Tagesschule haben die Grünen – teilweise in Kooperation mit anderen Parteien – als Vorstösse im Gemeinderat eingereicht.

Wir Grüne stehen voll und ganz hinter einer Tagesschule, welche die Bildungsgerechtigkeit und die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen erhöht.