Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne

Die Menschheit steckt in Schwierigkeiten. Die globale Erwärmung bewirkt, dass Wetterextreme zunehmen: Wirbelstürme, Dürren, Hitze. Zudem steigt der Meeresspielgel jährlich beschleunigt an. Die Klimakrise trifft alle – die einen mehr, die andern weniger. Zur Bewältigung müssen alle Länder und Regionen einen Beitrag leisten – auch die Stadt Zürich.

Haltung der Grünen

Wir Grüne haben vor zwei Jahren – zusammen mit SP, glp, AL und EVP – Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2030 gefordert. Die Einschätzung des Stadtrats, dass dieses Klimaziel nicht möglich ist, ist für uns Grüne eine schmerzhafte  Erkenntnis. In der Vergangenheit ging viel Zeit verloren, es wurde (und wird) zu zaghaft geplant und umgesetzt.

Ringen in der Kommission

Die Vertreterin der Grünen in der Umweltkommission, Julia Hofstetter, berichtet: „Wir haben in der Kommission mit der Vorlage des Stadtrats gerungen und sie schrittweise verschärft. Natürlich war die Versuchung da zu sagen, wir Grüne bestehen auf dem Netto-Null-Ziel 2030. Aber wir hätten es uns damit zu einfach gemacht. Wir müssen gestaltend am städtischen Klimaziel teilhaben, das Unmögliche fordern bringt nichts.“

Netto-Null in drei Schritten

Der Kompromiss lautet Netto-Null in drei Schritten: Der Richtplan gibt vor, dass bei der Mobilität Netto-Null 2030 gilt. Darüber hat die Stadtbevölkerung Ende November 2021 abgestimmt und deutlich Ja gesagt. Bis 2035 soll die Stadt in allen andern Bereichen die für Netto-Null notwendigen Klimaschutzmassnahmen umsetzen (mit Ausnahme der Fernwärme, für sie gilt 2040). Das bedeutet, dass Privaten und der Wirtschaft ab 2035 die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen zu Verfügung stehen werden, um definitiv auf fossilfrei umzusteigen. 2040 wird Zürich das Netto-Null-Ziel vollständig erreicht haben. Das ist der Kompromiss, der von der Klimaallianz bestehend aus Grüne, SP, glp, AL und EVP getragen wird und der am 15. Dezember 2021 vom Gemeinderat beschlossen wurde. Das ist das Minimum, was wir tun müssen.

Steiler Absenkpfad

Für uns Grüne ist dabei wichtig, dass die Treibhausgasemissionen zügig und massiv sinken. Deshalb heisst es im Kompromiss der Klimaallianz, dass der Absenkpfad mindestens linear sein soll. Mit Absenkpfad ist der Weg zum Ziel gemeint. Dieser Weg wird durch die Geschwindigkeit, mit der die Treibhausgase abnehmen, bestimmt.

Indirekte Emissionen

Das oben beschriebene Netto-Null-Ziel bezieht sich auf die direkten Treibhausgasemissionen in der Stadt Zürich. Ins Gewicht fallen aber auch die indirekten Emissionen – beispielsweise Emissionen, die bei der Herstellung und dem Transport eines Produktes, das in Zürich verkauft wird, anfallen. In diesem Bereich muss der Stadtrat selbstbewusst und fordernd mit Privaten und der Wirtschaft verhandeln, damit auch die indirekten Treibhausgasemissionen massiv sinken. Diese Verhandlungen werden eine Herausforderung sein, sie müssen jedoch geführt werden.